Wie motiviere ich mein Kind zum Üben, ohne Drama?

von Petra Frankl

Kind übt entspannt mit Gitarre zu Hause

Üben darf nie als Strafe oder Pflicht erlebt werden. 10 Minuten täglich bringen mehr als zwei Stunden am Sonntag. Und wenn du ständig erinnern musst, läuft etwas grundsätzlich falsch. Hier kommen die Strategien, die in über fünfzehn Jahren Unterrichtspraxis bei mir zuverlässig funktioniert haben.

Warum Üb-Drama gefährlich ist

Wenn das tägliche Üben zur Auseinandersetzung wird, koppelt dein Kind Musik mit negativen Gefühlen. Das ist der häufigste Grund, warum Kinder das Instrument nach 6 bis 12 Monaten aufgeben. Nicht weil sie es nicht mögen, sondern weil das Drumherum zur Belastung wurde.

Wenn du dich also entscheiden musst zwischen „das Kind übt heute weniger” und „das Kind übt unter Druck”: lieber weniger üben.

Drei einfache Regeln

1. Lieber kurz und täglich als lang und selten. 10 bis 15 Minuten am Tag bringen mehr als 90 Minuten am Sonntag. Motorisches Lernen funktioniert über Wiederholung in kurzen Abständen, nicht über Marathon-Sessions.

2. Übezeit fest in den Tag einbauen. Beste Zeit ist direkt nach dem Mittagessen oder nach den Hausaufgaben, wenn der Kopf eh gerade in einer Konzentrations-Routine ist. Schlechteste Zeit ist 19 Uhr, wenn das Kind eigentlich schon müde wird.

3. Niemals als Strafe oder Drohung. „Wenn du nicht übst, gibt’s keinen Fernseher” bitte nie. Das macht aus dem Üben eine Pflicht, der das Kind sich entzieht. Üben muss eine Sache mit eigener Motivation sein.

Was wirklich motiviert

Lieder, die dein Kind selbst toll findet. Nachdem ich mit den Kindern einige grundlegende Akkorde und Spieltechniken gelernt habe, dürfen sie den Unterricht mitgestalten. Das heißt, die Kinder machen Vorschläge, bringen Hits aus dem Radio, YouTube, Tik Tok … Falls die Inhalte im Original noch zu schwer sind, entwickle ich einfache Spielweisen, die die Kinder bewältigen können. Nichts motiviert so sehr, wie ein Stück, das aus dem eigenen Wunsch kommt.

Vorspiel-Momente. Lass dein Kind ein- bis zweimal pro Woche etwas vorspielen. Der Oma am Telefon, dem Papa nach der Arbeit, der besten Freundin. Diese kleinen Spotlight-Momente sind extrem wertvoll. Kinder lernen für das Vorspielen, nicht für die Note.

Sichtbare Fortschritte. Hilf deinem Kind, seine Fortschritte zu sehen. Nimm einmal pro Monat ein kurzes Handy-Video auf. Nach sechs Monaten hat es eine Sammlung, durch die es scrollen kann, und sieht selbst: „Wow, vor einem halben Jahr konnte ich das noch nicht.”

Soziale Komponente. In Kleingruppen lernen Kinder mit anderen Kindern, die im selben Tempo unterwegs sind. Die Mitschüler werden zu Sparringspartnern und spornen sich gegenseitig an, ohne dass die Eltern das organisieren müssen.

Was du als Elternteil nicht machen solltest

„Hast du heute schon geübt?” ist die schlimmste Frage. Macht aus Musik eine Hausaufgabe.

„Du musst, weil wir dafür zahlen.” Ja, du zahlst. Das ist trotzdem nicht die Verantwortung deines Kindes.

Beim Üben mit dabei sitzen und kommentieren. Lass das Kind alleine üben, Selbstständigkeit ist Teil des Lernens.

Vergleiche mit anderen Kindern. „Anna kann das schon.” vergiftet jede Motivation.

Erwartungsdruck vor Vorspielen. „Spiel der Oma was vor, aber bitte ohne Fehler!” bitte nie.

Was du sehr wohl tun darfst

Beiläufig dabei sein. Wenn du zufällig im Wohnzimmer sitzt und gerade etwas anderes machst, hört dein Kind beim Üben automatisch wachsamer hin. Das ist kein Druck, sondern angenehme Aufmerksamkeit.

Echtes Interesse zeigen. „Was übst du gerade?” statt „Hast du geübt?”. Der Unterschied ist riesig.

Erfolge feiern, ohne sie zu inszenieren. Ein ehrliches „Wow, das klingt schon richtig nach Lied!” wirkt Wunder.

Selbst zuhören wollen. Wenn dein Kind ein Stück fertig hat, frag von dir aus, ob es dir was vorspielt.

Was tun, wenn dein Kind seit Tagen nicht übt?

Manchmal kommt eine Phase. Klassenarbeit, Streit in der Schule, einfach Energie raus. Lass es. Frag nicht. Drohe nicht. Wenn es wirklich Tage werden, sag beiläufig: „Wenn du Lust hast, spiel uns am Wochenende mal was vor” und dann lass es.

In den meisten Fällen ist das Kind nach drei bis vier Tagen Pause wieder von selbst bei der Gitarre. Wenn es länger dauert, gibt’s einen tieferen Grund, dem du auf den Grund gehen solltest. Siehe Mein Kind will aufhören.

Wenn nichts hilft

Wenn das Üb-Drama trotz aller Strategien chronisch wird, liegt es meistens nicht am Kind, sondern am Setting. Vielleicht ist die Lehrkraft nicht die richtige, vielleicht ist Einzelunterricht nicht passend, vielleicht ist der Unterricht zu theoriebasiert. Ein Wechsel zu einem anderen Setting kann viel bewirken. Ich unterrichte Kinder aus Donauwörth, Nördlingen, Wemding und dem ganzen Donau-Ries — ruf mich an, wenn du eine Einschätzung brauchst.

📞 01515 2281772 — Schnupperstunde anrufen

Mehr lesen: Mein Kind will mit Gitarre aufhören · Wie lange dauert es, bis ein Kind Gitarre spielen kann?

Lieber direkt fragen? Ich gehe ans Telefon.

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