Kindergitarre kaufen: Der ehrliche Ratgeber für Eltern

von Petra Frankl

Verschiedene Kindergitarren in unterschiedlichen Grössen nebeneinander aufgestellt

Eine gute Kindergitarre kostet zwischen 80 und 150 Euro, sollte zur Körpergrösse des Kindes passen (1/4 für 4-6 Jahre, 1/2 für 6-8, 3/4 für 8-11) und muss vor allem eines sein: bespielbar. Ich empfehle Marken wie Ortega, Yamaha oder Cordoba und rate von Billiggitarren unter 50 Euro ab. In diesem Ratgeber erkläre ich euch alles, was ihr wissen müsst, bevor ihr eine Kindergitarre kauft.

Warum die richtige Gitarre so entscheidend ist

Ich sage euch ganz ehrlich: In über fünfzehn Jahren Kindergitarrenunterricht habe ich dutzende Kinder erlebt, die aufhören wollten. Nicht weil ihnen Gitarre keinen Spass gemacht hätte. Sondern weil ihre Gitarre Schrott war.

Eine schlechte Gitarre tut beim Drücken der Saiten weh. Sie klingt dumpf und verstimmt sich alle fünf Minuten. Das Kind denkt dann: “Ich kann das nicht.” Dabei kann es die Gitarre nicht. Das ist ein riesiger Unterschied.

Deshalb mein allerwichtigster Rat gleich vorweg: Spart nicht an der falschen Stelle. Ihr müsst keine 300 Euro ausgeben. Aber die 29-Euro-Gitarre von der Tankstelle oder aus dem Supermarkt-Wühltisch ist rausgeworfenes Geld. Und schlimmer noch: Sie kann eurem Kind die Freude an der Musik kaputtmachen, bevor sie richtig angefangen hat.

Die richtige Grösse finden

Das ist der häufigste Fehler, den ich sehe: Eltern kaufen eine zu grosse Gitarre, weil das Kind ja “da reinwächst”. Klingt logisch. Ist es aber nicht. Eine zu grosse Gitarre ist für ein Kind wie ein Erwachsener, der auf einem Kontrabass Ukulele spielen soll. Die Arme reichen nicht, die Finger kommen nicht an die richtigen Stellen, und die Haltung wird komplett falsch.

Hier die Faustregel, die ich seit Jahren in meinem Unterricht verwende:

1/4-Gitarre: Für Kinder von etwa 4 bis 6 Jahren, Körpergrösse ungefähr 100 bis 115 cm. Das sind die kleinsten Gitarren, die trotzdem wie eine richtige Gitarre klingen. Für den allerersten Einstieg genau richtig.

1/2-Gitarre: Für Kinder von etwa 6 bis 8 Jahren, Körpergrösse ungefähr 115 bis 130 cm. Das ist die Grösse, mit der die meisten meiner Schüler anfangen. Sie liegt gut in den Händen und lässt sich ordentlich greifen.

3/4-Gitarre: Für Kinder von etwa 8 bis 11 Jahren, Körpergrösse ungefähr 130 bis 150 cm. Viele Kinder spielen auf dieser Grösse mehrere Jahre, bevor sie auf eine volle Gitarre umsteigen.

4/4-Gitarre (volle Grösse): Ab etwa 11 bis 12 Jahren oder 150 cm Körpergrösse. Das ist die normale Erwachsenengitarre.

Einen ausführlicheren Guide zu den Grössen habe ich hier geschrieben: Welche Gitarre für Kinder? Der Grössen-Guide.

Mein Praxis-Test: Setzt euer Kind auf einen Stuhl, legt ihm die Gitarre auf den Oberschenkel. Der rechte Arm sollte entspannt über den Korpus reichen können. Die linke Hand sollte ohne Verrenkung den ersten Bund greifen können. Wenn das Kind sich strecken muss oder die Gitarre vom Schoss rutscht, ist sie zu gross.

Welche Marken taugen etwas?

Ich werde oft gefragt: “Petra, welche Marke soll ich kaufen?” Hier meine ehrliche Einschätzung, basierend auf dem, was ich im Unterricht täglich in den Händen halte:

Ortega ist mein Favorit im Einsteigerbereich. Die Ortega R121-Serie gibt es in allen Kindergrössen, sie klingt gut, die Verarbeitung stimmt, und die Saitenlage ist ab Werk ordentlich eingestellt. Preis: 80 bis 120 Euro je nach Grösse.

Yamaha macht seit Jahrzehnten solide Instrumente. Die CGS-Serie für Kinder ist zuverlässig und klingt sauber. Yamaha ist eine sichere Wahl, wenn auch nicht ganz so warm im Klang wie Ortega. Preis: 90 bis 130 Euro.

Cordoba liegt im oberen Einsteigerbereich und bietet sehr schöne Kindergitarren. Wer 20 bis 30 Euro mehr ausgeben kann und will, bekommt hier ein Instrument, das auch optisch Eindruck macht. Das kann für manche Kinder durchaus motivierend sein.

La Mancha und Gewa sind ebenfalls solide Optionen, die ich in meinem Unterricht regelmässig sehe. Beide liefern ordentliche Qualität im bezahlbaren Bereich.

Finger weg von: No-Name-Gitarren unter 50 Euro, Gitarren-Sets aus dem Discounter, und “Spielzeug-Gitarren” mit Plastiksaiten. Ich weiss, der Preis ist verlockend. Aber diese Instrumente sind keine Instrumente. Sie sind Deko, die zufällig Saiten hat.

Budget: Was muss ich wirklich ausgeben?

Hier die ehrliche Aufschlüsselung:

Minimum-Budget (solide Qualität): 80 bis 100 Euro für die Gitarre, plus 15 bis 20 Euro für eine Tasche, plus 5 Euro für ein Stimmgerät. Gesamtkosten etwa 100 bis 125 Euro. Damit hat euer Kind alles, was es braucht.

Komfort-Budget: 120 bis 150 Euro für die Gitarre, 25 bis 30 Euro für eine gepolsterte Tasche, 10 Euro für ein Clip-Stimmgerät, 10 Euro für einen Fusshocker. Gesamtkosten etwa 165 bis 200 Euro. Die Gitarre klingt etwas besser, die Tasche schützt besser, und der Fusshocker sorgt für eine korrekte Haltung.

Das braucht ihr NICHT zum Start: Einen Gitarrenständer (schön, aber unnötig), ein Metronom (kommt später), Ersatzsaiten (die Originalsaiten halten Monate), einen Kapodaster (braucht man als Anfänger nicht).

Wo kaufen?

Lokaler Musikfachhandel ist meine erste Empfehlung. Der Vorteil: Ihr könnt die Gitarre anfassen, euer Kind kann sie probehalten, und der Verkäufer kann die Saitenlage direkt einstellen. In der Region gibt es Musikhäuser in Augsburg und Nürnberg. Die Fahrt lohnt sich.

Online kaufen geht auch, wenn ihr wisst, welche Grösse ihr braucht. Thomann in Treppendorf (ist ja fast um die Ecke hier in Franken) hat eine riesige Auswahl und ein kulantes Rückgaberecht. Auch Amazon hat die gängigen Marken. Wichtig: Achtet auf das 30-Tage-Rückgaberecht und nutzt es, falls die Gitarre nicht passt.

Gebraucht kaufen kann sich lohnen, wenn ihr wisst, worauf ihr achten müsst. Checkt den Hals (darf nicht verzogen sein), die Decke (keine Risse), und die Mechaniken (müssen sich gleichmässig drehen lassen). Bei eBay Kleinanzeigen findet man regelmässig gute Kindergitarren für 40 bis 60 Euro, weil Kinder rauswachsen und die Eltern die Gitarre loswerden wollen.

Leihen statt kaufen bieten manche Musikschulen und Musikgeschäfte an. Das ist besonders für die ganz kleinen Grössen (1/4) sinnvoll, weil die Kinder nach ein bis zwei Jahren ohnehin die nächste Grösse brauchen. Fragt einfach nach.

Typische Fehler beim Kauf

Ich habe schon alles gesehen. Hier die häufigsten Fehler, die Eltern machen:

Fehler 1: Die Gitarre auf Vorrat kaufen. “Er ist jetzt fünf, aber wir kaufen gleich die 3/4, dann hält sie länger.” Nein. Bitte nicht. Das Kind wird auf einer viel zu grossen Gitarre frustriert aufgeben. Kauft die Grösse, die jetzt passt.

Fehler 2: Die billigste Option nehmen. Ich verstehe, dass Geld eine Rolle spielt. Wirklich. Aber zwischen 30 Euro und 80 Euro liegt ein Universum an Qualitätsunterschied. Die 30-Euro-Gitarre wird euch am Ende mehr kosten, weil das Kind aufhört und ihr das Geld für den Unterricht verschenkt habt.

Fehler 3: Saiten nicht wechseln lassen. Neue Gitarren kommen ab Werk mit Nylonsaiten, die okay, aber nicht toll sind. Nach drei bis sechs Monaten lohnt es sich, neue Saiten aufziehen zu lassen. Das kostet im Musikgeschäft 10 bis 15 Euro inklusive Aufziehen und macht einen hörbaren Unterschied.

Fehler 4: E-Gitarre als erstes Instrument. Manche Kinder wollen unbedingt E-Gitarre, weil sie das bei ihrem Lieblingskünstler gesehen haben. Grundsätzlich geht das, aber ich empfehle trotzdem, mit einer klassischen Gitarre zu starten. Die Nylonsaiten sind weicher für die Finger, und die Grundlagen lassen sich leichter sauber lernen. Nach ein bis zwei Jahren kann man immer noch auf E-Gitarre umsteigen.

Fehler 5: Ohne das Kind kaufen. Nehmt euer Kind mit, wenn ihr im Laden kauft. Die Gitarre muss sich für das Kind gut anfühlen. Das ist wie bei Schuhen: Die Grösse stimmt auf dem Papier, aber der Schuh drückt trotzdem.

Wann ist der richtige Zeitpunkt?

Die Gitarre sollte bereitstehen, wenn der Unterricht beginnt, nicht Wochen vorher. Warum? Weil Kinder, die zu Hause alleine auf einer neuen Gitarre herumklimpern, sich manchmal falsche Haltungen angewöhnen, die ich dann im Unterricht mühsam wieder korrigieren muss.

Mein Ablauf-Vorschlag: Erst eine Schnupperstunde bei mir oder einem anderen Lehrer machen. Dann entscheiden, ob das Kind weitermachen will. Dann die Gitarre kaufen. In der Schnupperstunde stelle ich eine Gitarre zur Verfügung, euer Kind braucht also nicht schon eine eigene mitzubringen.

Pflege und Haltbarkeit

Eine gute Kindergitarre hält bei normaler Behandlung viele Jahre. Ein paar einfache Regeln:

Die Gitarre immer in der Tasche aufbewahren, wenn sie nicht gespielt wird. Nicht neben die Heizung stellen, nicht im Auto liegen lassen. Holz reagiert empfindlich auf extreme Temperaturen und Feuchtigkeit.

Einmal im Jahr die Saiten wechseln lassen. Das Griffbrett gelegentlich mit einem trockenen Tuch abwischen. Mehr braucht es nicht.

Und ganz wichtig: Wenn die Gitarre runterfällt (und das wird passieren, wir reden über Kinder), schaut euch den Hals und die Decke an. Kleine Kratzer sind Ehrensache. Risse im Holz oder ein verzogener Hals bedeuten leider: Reparatur oder Ersatz.

Mein ehrliches Fazit

Kauft eurem Kind eine ordentliche Gitarre in der richtigen Grösse. Plant 100 bis 150 Euro ein. Geht wenn möglich in ein Musikgeschäft und lasst euer Kind die Gitarre selbst halten. Fallt nicht auf Billigangebote rein.

Eine gute Gitarre ist eine Investition in Spielfreude, Motivation und letztlich in die musikalische Entwicklung eures Kindes. Und wenn die Gitarre beim nächsten Kind oder im Freundeskreis weitergegeben wird, hat sie sich dreimal bezahlt gemacht.

Ihr seid unsicher, welche Grösse es genau sein soll? Ruft mich an, ich berate euch gerne kostenlos und unverbindlich.

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